Im November reiste Vereinsgründerin Renate Kotz gemeinsam mit Frau Dr. Julia Rüggeberg und Physiotherapeutin Frau Inga Lutter nach Rapcha. Auf der Agenda standen Meetings mit den verschiedenen Dorfkomitees, die Einweihungszeremonie des von Re:Help finanzierten Boys Hostel sowie Besprechungen über zukünftige Projekte. Lesen Sie hier den Reisebericht von Renate Kotz.
„You are the dancing queen, young and sweet only seventeen,….“ laut schallte der Abba Song aus den Lautsprechern des in die Jahre gekommen und etwas abgewrackten Geländewagens und wir sangen alle lauthals mit. Seit zwölf Stunden liessen sich Julia, Inga, Pancha, der Fahrer und ich uns ordentlich durchschütteln. Das Auto tanzte förmlich über die Felsbrocken und Schlaglöcher und der Fahrer musste sich sehr konzentrieren, denn der Abgrund war manchmal gefährlich nah. Auch er war müde von der langen Fahrt – waren wir doch bereits um fünf Uhr morgens von Kathmandu aufgebrochen, um die lange Strecke bis nach Rapcha an einem Tag zu bewältigen. Ich war diese schon öfters gefahren und wusste, dass es sehr anstrengend werden wird. Aber durch die schlimmen Überschwemmungen, welche Ende September das Land heimgesucht hatten, waren ganze Strassenabschnitte weggespült oder von Erdrutschen blockiert worden. Dass die Strasse überhaupt befahrbar war, grenzte schon an ein Wunder. Aber die Nepalesen waren schon immer Improvisationstalente – wie sollte man auch sonst in diesem Land überleben? Irgendwie war die Fahrbahn rudimentär so hergerichtet worden, sodass sie wieder befahrbar war. Befahrbar ja, aber sicher? Nein, auf keinen Fall. Aber die Götter waren auf unserer Seite und so erreichten wir nach gut 15 Stunden im Dancing Car endlich Rapcha.
Von Weitem sah ich schon Kamans Lodge, nur noch zwei Kurven und ein paar Schlaglöcher trennten uns von ihr. Der Fahrer fing wie wild an zu Hupen, um unser Kommen anzukündigen. Endlich hatten wir unser Ziel erreicht und stiegen dankbar aus und beteuertem dem Fahrer, dass er ein „ramro driver“ (ein guter Fahrer) ist. Er quittierte unsere dürftigen Nepalesischkenntnisse mit einem breiten Grinsen. Da kam auch schon Kaman, Panchas Bruder und Inhaber der Lodge, aus dem Haus gerannt und es gab ein großes Hallo und Namaste. In der Lodge warteten Kamans Frau Rasdhani, Maya Devi, Jobir und Him auf uns und schon bekamen wir Blumenketten umgehängt und natürlich durfte der traditionelle Begrüßungstrunk „Roski“ (Hirseschnaps) nicht fehlen und es wurde gelacht und sich gefreut und Kaman war wieder ganz aufgeregt und rannte ständig hin und her. Hier waren wir also nun endlich. Ich bezog mein altes, kleines aber feines Einzelzimmer und Julia und Inga teilten sich ein Doppelzimmer. Schnell die Taschen hochgetragen und das Wichtigste ausgepackt, denn unten duftete es nach Essen und da rief Kaman auch schon, dass die Suppe fertig sei. Ich ging nach unten und trat raus auf den kleinen Balkon. Kamans Hahn, dem die Uhrzeit total egal war, krähte aus voller Brust, die Hühner rannten wild umher und der Hund lag in seiner Hütte und schlief. War ich denn jemals weg gewesen? Alles war so, wie ich es vor einem Jahr verlassen hatte. Nichts hatte sich verändert. Schon Wochen, ja Monate vorher hatte ich auf diesen Moment hingefiebert und nun war ich endlich wieder hier. Inga und Julia sassen schon am Tisch und beide sahen sehr glücklich aus, vielleicht war da auch ein kleines Tränchen zu sehen, so sehr freuten sie sich über diesen warmherzigen und familiären Empfang. Dann wurde auch schon die Suppe aufgetragen und das Kommen und Gehen in der Lodge nahm irgendwie kein Ende, denn jeder wollte eben schnell mal Hallo sagen. Zum Abschluß des Abends hatte Kaman in seiner Backstube einen Kuchen gezaubert, den er uns voller stolz präsentierte. Er schmeckte köstlich!
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